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Kanzlei Akademien

18. April 2012

„Die Fortbildung unserer Mitarbeitern ist uns wichtig.“ Weil das so ist, hat jede Groß-Kanzlei ihre eigene Akademie. Und wer bis jetzt noch keine eigene Akademie hat, legt schleunigst eine auf, um im Wettbewerb mithalten zu können.

Die wesentlichen Kennzeichen einer solchen Akademie sind: sie beginnt mit dem ersten Tag des Kanzleieintritts, wurde in „intensiver Zusammenarbeit mit einer renommierten Business School“ entwickeltund endet spätestens kurz nach der Ernennung zum Partner. Vergleicht man die Angebote der großen Kanzleien, gibt es weitere Gemeinsamkeiten. Es geht immer um Recht, Wirtschaft und Soft Skills. Allein die Bezeichnungen variieren.

Von einem Ingenieur wird erwartet, das er (oder sie) mit dem neuesten fachlichen Wissen in ein Unternehmen eintritt.  Und Juristen brauchen schon wenige Monate nach Ihrem Prädikatsexamen eine Fortbildung? Warum gibt es dieses kanzleiinterne Angebot, wenn überhaupt, nur in geringem Unfang für Partner? Kann eine Akademie wirklich die Vorbildfunktion und Anleitung eines engagierten Partner ersetzen? Werden die Angebote wahrgenommen oder hat (zu) häufig die Mandatsarbeit Priorität?

Neben dem fachlichen Aspekt gibt es ein weiteres Thema: Motivation.  Weiterbildung kann zusätzliches Potenzial freisetzen. Eine Belohnung sein. Ein Anreiz.

Sich in angenehmer Umgebung intensiv zu einem Thema auszutauschen und begeistert und mit neuen Ideen wieder an den Arbeitsplatz zurück zu kommen. Menschen aus anderen Unternehmen treffen. Voneinander lernen. Ein Netzwerk aufbauen. Die eigene Persönlichkeit entwickeln. Über den Tellerand schauen. Den Horizont erweitern.

Kann die interne Weiterbildungsakadmie das leisten? Wie wirtschaftlich sinnvoll ist ein solches Unterfangen? Macht das Betriebsklima „Soft-Skill-Schulungen notwendig? Werden „interne“ Seminare möglicherweise leichtfertiger in letzter Minute abgesagt? Gibt es Angst vor dem Aufbau eines externen Netzwerks? Ist die hauseigene Akademie ein Wettbewerbsvorteil im Recruitmentprozess? Ab wann lohnt sich das Investment in eigene HR-Weiterbildungs-Manager? Müssen sich Partner nicht mehr weiterbilden, motivieren oder an ihrem Netzwerk arbeiten?

Viele Fragen. Genug, um den aktuellen Hype um die Kanzlei-Akademie kritisch zu betrachten.

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